Frauenbund: Fahrt zur KZ-Gedenkstätte nach Flossenbürg - 19.09.2017

Der Kath. Frauenbund unternahm eine Fahrt zur KZ-Gedächtnisstätte nach Flossenbürg. 1.Vorsitzende Agnes Hartwig begrüßte im Bus die Frauenbundfrauen sowie Pater Mejo Jose. Am frühen Nachmittag empfing Frau Susanne Färber die Besucherinnengruppe und führte ca. 2 Stunden durch das Areal des früheren KZ. Von 1938-1945 wurden hier ca. 15.000 Menschen inhaftiert, das KZ Flossenbürg war ein Arbeitslager, kein Vernichtungslager. Durch Wachtürme und zuerst mit einem Stacheldraht-Zaun umgrenzt, wurde ab 1942 ein Elektrozaun rund um das Gelände gebaut und für die vielen, die unverschuldet in das Männerlager kamen, berichtete Frau Färber, gab es dadurch kein entkommen. Die Lagerinsassen mussten selbst bei größter Kälte, mit dünner Lageruniform bekleidet, im naheliegenden Granit-Steinbruch bis zur Erschöpfung arbeiten. Viele kamen dabei auch ums Leben. 1000 Männer wurden auf Bretterlagern zusammengepfercht in einer Baracke untergebracht, ohne Duschmöglichkeit mit nur 4 Toiletten je Baracke. Vorbei an der ehemaligen SS-Kommandatur gelangten die Frauen auf den Appellplatz, eingesäumt von der Wäscherei/Häftlingsbad und der Küche, die man besichtigte. Auf dem großen Appellplatz wurden die neuankommenden Häftlinge empfangen und ihnen jeglicher Pivatbesitz abgenomen. Sie erhielten hier die blaue Lageruniform, von der jede eine andere Nummer besaß. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Männer im Lager nur als Nummer, ohne Namen angesprochen. Nur wegen Kleinigkeiten verhängten die SS-Aufseher Kollektivstrafen, besonders viele Sinti und Roma waren davon betroffen. Die Strafe war stundeslanges Stehen bei jedem Wetter ohne Nahrung auf dem Appellplatz, zur Abschreckung der anderen Häftlinge. Susanne Färber las den interessierten Frauen zwischendurch Berichte von Inhaftierten vor und erzählte über Jack Terry, der als Jakub Szabmacher, Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Polen, mit 15 Jahren in das KZ Flossenbürg deportiert wurde und dort als jüngster Insasse nur überleben konnte, weil ihn Mithäftlinge in einem Rohrtunnel, der Wäscherei und Küche verband, versteckten. Heute lebt der 87 jährige unter dem Namen Jack Terry in den USA und besucht jedes Jahr im April die Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Flossenbürg am 23. April 1945 durch amerikanische Soldaten.

Weiter ging die Führung durch den Park mit den geschmückten Steinkreuzen ( errichtet zur Erinnerung an die Toten der »Todesmärsche« in das KZ Dachau) in das »Tal des Todes«. Hier sah man die ehemaligen KZ-Eingangsposten, das Krematorium, den Schussplatz, die Aschepyramide und den Platz der Nationen. Im Museum zeigte Frau Färber den Besucherinnen u.a. die Fotos der Widerstandsgruppe gegen Hitler um Graf Staufenberg und jeder konnte sich im Museum noch Zeit nehmen und einen Film und Fotos von Einzelschicksalen betrachten. Auch Pastor Dietrich Bonhoeffer war im Widerstand und verbrachte die Nacht vor seiner Hinrichtung vom 8.-9.April 1945 im KZ Flossenbürg. Einen tiefen Eindruck hinterließ der Besuch der KZ-Gedenkstätte bei den Frauenbundfrauen. Agnes Hartwig dankte Susanne Färber für die informativen und ausführlichen Erklärungen beim Rundgang. Anschließend besuchten die Frauen das Musems-Cafe.




Text + Bilder: Gaby Narozny
20. September 2017